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01.08.2018

Immanuel Klinik Rüdersdorf ermöglicht psychiatrische Hilfe zu Hause

In einer akuten psychischen Krise ist das häusliche Umfeld oft der letzte als sicher empfundene Rückzugsort für die Betroffenen. Ein Psychiatrie-Team der Immanuel Klinik Rüdersdorf behandelt sie jetzt genau dort.

Das Team für stationsäquivalente psychiatrische Behandlung der Hochschulklinik für Psychiatrie und Psychotherapie betreut Menschen bei akutem Bedarf auch zu Hause.

Ein Team der Hochschulklinik Psychiatrie und Psychotherapie an der Immanuel Klinik Rüdersdorf behandelt Menschen in einer akuten psychischen Krise jetzt auch zu Hause. Grundlage ist die gesetzliche Vereinbarung zur stationsäquivalenten psychiatrischen Behandlung (StäB), die es psychiatrischen Kliniken seit vergangenem Jahr erlaubt, Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen für einige Wochen in ihrem häuslichen Umfeld zu behandeln. So lässt sich eine stationäre Behandlung vermeiden.

„Das ist ein großer Fortschritt, denn für Menschen in einer akuten psychischen Krise kann das eigene zu Hause der letzte als sicher empfundene Rückzugsort sein. Auf einer Station würden sie sich von den vielen anderen Menschen überfordert fühlen“, sagt Chefarzt Prof. Dr. med. Martin Heinze.

Das sechsköpfige Team der Immanuel Klinik Rüdersdorf unter der Leitung von Oberarzt Dr. med. Sebastian von Peter besteht aus zwei Ärzten, zwei Pflegefachkräften, einem Physiotherapeuten und einem Sozialarbeiter. Es ist das erste in der Region, das Menschen mit psychischen Erkrankungen zu Hause aufsucht.

Hilfe direkt im Alltag verankern


„Die neue gesetzliche Regelung erlaubt es, uns sehr stark an den Wünschen und Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten zu orientieren. Sie müssen sich nicht mehr an die Klinikroutine anpassen. Das ist eine große Chance. Was in Deutschland noch absolutes Neuland ist, praktizieren andere Länder schon lange erfolgreich“, sagt Dr. von Peter, der zu diesem Thema auch für die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane wissenschaftlich forscht und zudem in einem Arbeitskreis in engem Austausch mit anderen Kliniken steht. „Es geht jetzt darum, die gesetzliche Hülle mit Leben zu füllen und gemeinsam mit den Betroffenen und Fachleuten Erfahrungen zu sammeln.“

Per Gesetz ist vorgesehen, dass das StäB-Team die Patienten über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen mindestens einmal pro Tag immer zu zweit aufsucht, bei Bedarf auch zwei- oder dreimal täglich. Darüber hinaus können die Patienten das Team immer telefonisch erreichen.

„Wir fragen die Menschen, wo der Unterstützungsbedarf liegt und versuchen dort zu begleiten, wo es konkret notwendig ist. Das können Ämtergänge, Gespräche mit dem Arbeitgeber, Familiengespräche oder Alltagstrainings sein. Auch die Angehörigen können wir einbeziehen, vorausgesetzt, dass alle Beteiligten damit einverstanden sind“, erklärt von Peter.

Rückbesinnung auf die mitmenschliche Beziehung


Nach bisherigen Erfahrungen ist das sogenannte Hometreatment für Patienten geeignet, die sich im Krankenhaus nicht wohlfühlen, etwa weil sie dort schlechte Erlebnisse hatten. Es ist auch für Betroffene sinnvoll, die Konflikte im häuslichen Umfeld haben. Hier kann das Team mit den Bezugspersonen Kontakt aufnehmen und versuchen, alle gemeinsam zu unterstützen. Zudem profitieren Menschen, die Angst haben, vor die Tür zu gehen. Mit ihnen kann das StäB-Team in der natürlichen Situation trainieren, wieder nach draußen zu gehen. Auch für Patienten, die noch in Arbeit stehen oder Familienmitglieder versorgen müssen, kann eine Behandlung im häuslichen Umfeld wichtig sein.

„Mit der aufsuchenden Arbeit verlässt die Psychiatrie die Sondersituation der stationären Behandlung“, sagt Sebastian von Peter. „Wir brauchen eine Rückbesinnung auf eine Sicht, die sich intensiv mit dem Alltag und dem sozialen Umfeld der Patienten beschäftigt, die sich depsychiatrisiert und zu einer mitmenschlichen Beziehung zurückentwickelt.“

StäB schließt eine Versorgungslücke


Die Behandlung im häuslichen Umfeld schließt eine Versorgungslücke, weil niedergelassene Psychiater oder der Sozialpsychiatrische Dienst sie in dieser Intensität nicht leisten könnten. Um nach den vom Gesetzgeber als Maximum festgelegten acht Wochen Akutbehandlung zu Hause eine gute Weiterbehandlung zu gewährleisten, nimmt das StäB-Team in Absprache mit den Patienten bereits während der Behandlung Kontakt mit anderen Leistungsanbietern wie dem Betreuten Wohnen, lokalen Pflegediensten oder niedergelassenen Psychiatern auf. „Ziel ist es, im Sinne der Patienten eng verzahnt mit den anderen Anbietern zu arbeiten und gegebenenfalls auch gemeinsam zu behandeln“, so von Peter.

Mehr über die Leistungen der Hochschulklinik für Psychiatrie und Psychotherapie erfahren Sie hier: https://psychiatrie.immanuel.de

 
 
 
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