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Historie

Historie des Krankenhauses Bernau.

Zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert war in Deutschland eine gewaltige Bevölkerungsexplosion in den Städten zu verzeichnen. Nicht selten verdoppelte sich innerhalb von 20 Jahren durch Neugeborene sowie vor allem Zuzug aus ländlichen Gebieten die Anzahl der dort lebenden Menschen. Wohnraum war begehrt, aber die alten, hoffnungslos überfüllten Häuser konnten die nachrückenden Menschen nicht mehr aufnehmen. Eine Konsequenz dieser Wohnraumknappheit war ein bis dahin nicht gekannter Bauboom in den Städten. Heute würde man sagen: das Investitionsklima war günstig.

Parallel zur steigenden Bevölkerungszahl stieg auch der Bedarf an größeren sowie moderneren Krankenhäusern. Viele der heute im Land Brandenburg existierenden Kliniken können deshalb auf eine Entstehungszeit zwischen 1890 und 1910 verweisen. So auch das einstige städtische Krankenhaus Bernau.

Nach den mittelalterlichen Vorgängerhäusern St.-Georgen-Hospital (das heute noch stehende Gebäude wurde allerdings erst 1738 errichtet), St.-Gertrauden-Hospital und Hospital zum Heiligen Geist (die beiden letztgenannten sind nicht mehr existent), gab es im 19. Jahrhundert in Bernau zwei weitere Krankenhausbauten in der Rossstrasse: das ältere, ein Fachwerkbau, der später unter dem Begriff "Lazareth-Haus" als reines Armenhaus genutzt wurde, sowie der direkt nebenan errichtete Neubau aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Doch auch in Bernau sorgte die bereits erwähnte Bevölkerungsexplosion für neue Realitäten – und für den konsequenten Ratsbeschluss, außerhalb der beengenden Stadtmauern ein großzügiges, modernes Krankenhaus bauen zu lassen. Die Lage des Krankenhausgeländes war hervorragend: auf der Höhe der leicht ansteigenden Straße nach Lanke und auf einer begrünten Freifläche, die den Kranken Ruhe, Erholung und neue Lebenskraft geben sollte.

Bereits am 20. Juni 1910 konnte das "Krankenhaus der Stadt Bernau" durch den ersten Ärztlichen Direktor, Dr. Millbrand, feierlich eingeweiht werden. Anfänglich verfügte es über 60 Betten, verteilt auf Ein-, Zwei- und Vierbettzimmer. Regierungs- und Kreisbaumeister Kleemann aus Berlin, nach dessen Entwürfen das Haus gebaut worden war, hatte in dem schmucken Gebäude aber auch einen Operationssaal, einen Aufenthaltssaal, Tagesräume und auf jeder Etage zwei Bäder einrichten lassen. Außerdem befanden sich im Hauptgebäude Wohnungen für Krankenschwestern und sonstiges Personal. Eine eigene Küche im Erdgeschoss rundete den für die damalige Zeit als komfortabel zu bezeichnenden Neubau ab.

Während des 1. Weltkriegs diente das Haus als Reservelazarett, ein Schicksal, das es mit unzähligen weiteren Krankenhäusern Deutschlands teilen musste. Erst seit den 20er Jahren sprach man dann offiziell vom "Kreiskrankenhaus Bernau", da nach dem Verlust eines Fünftel seiner Gesamtfläche und der Neustrukturierung des alten Kreises Niederbarnim im Zusammenhang mit der Gründung von Groß-Berlin (1920) der geschrumpfte Kreis fortan für die Krankenhäuser zuständig war. Wie rasch das Bernauer Hospital anwuchs, beweist eine Zahl aus dem Jahr 1933: Nur 23 Jahre nach der Einweihung besaß es mehr als doppelt so viele Betten, nämlich 130.

Nur sehr wenige Fotografien, sichere Quellen und Statistiken zeugen von der Zeit bis 1945 über die Anfänge des Krankenhauses Bernau. Viele Zeitdokumente und Archivunterlagen gingen in den Kriegsjahren für immer verloren. Aus Zeitzeugenberichten und alten Zeitungsartikeln wurde in den 80er Jahren eine Chronik des Krankenhauses Bernau erstellt. Ihr muss man Glauben schenken, auch wenn dort so scheinbar unglaubliche Geschichten enthalten sind, wie die von den Schweinen in der Krankenhauswerkstatt des Kriegsjahres 1945, die so fett gemästet wurden, dass sie nicht mehr durch die Eingangstüren hindurchpassten, welche daraufhin erweitert werden mussten.

Die ersten Nachkriegsjahre im Kreiskrankenhaus Bernau waren geprägt von Notlösungen, Improvisationskünsten und Übergangsregelungen, aber auch von großer Einsatzbereitschaft, Zusammenhalt und einem Bewusstsein, trotz aller Unzulänglichkeiten viel für die Patienten tun zu können. Zwar war das Krankenhaus glücklicherweise nicht zerstört worden, aber der Mangel an medizinischer Gerätschaft, an Medikamenten und an Ärzte- und Pflegepersonal – zu erwähnen seien an dieser Stelle nur die bitter beklagten Abwanderungen in den Westen – brachten das Krankenhaus an den Rand der Existenzgrundlage.

Patienten lagen teilweise in den auf dem Gelände befindlichen vier Baracken, die notdürftig mit alten Eisenöfen beheizt wurden. Der ständige beißende Kohlengeruch und der Aschestaub wird in der Chronik als "große Belästigung für Patienten, Kinder und Mitarbeiter" beschrieben. Bretterverschläge und Pappdächer sorgten für ständigen Durchzug und im Sommer für einen enormen Hitzestau. In offenen und schonungslosen Zeitungsartikeln zwischen 1954 und 1956 werden ein "sozial unwürdiger Zustand" und "große hygienische Mängel" angeprangert. Fast schon groteske Züge bot ein Zwischenfall im Winter 1955, als die komplette Heizungsanlage ausfiel und eine Dampflokomotive für die notwendige Wärme in den Krankenzimmern sorgen musste. Auf die politisch Verantwortlichen wurde auch durch die Berichterstattung in den Zeitungen ein großer Druck ausgeübt, mit Erfolg, wie die prompte Ankündigung eines Erweiterungsbaus des Kreiskrankenhauses bewies.

Das 50-jährige Jubiläum des Bernauer Krankenhauses 1960 brachte eine Zäsur, medizinisch aber auch baulich und organisatorisch. Eine neue Funktionseinheit Kreiskrankenhaus/ Kreispoliklinik Bernau wurde 1961 ins Leben gerufen, viele Rekonstruktionsmaßnahmen durchgeführt und moderne Technik eingesetzt. Aus dem einzigen Krankenfahrzeug, einem klapprigen Pkw Typ "F8", wurde ein flotter Fuhrpark mit zunächst fünf, später zwölf Fahrzeugen, und ein hauseigener Kindergarten entstand. Anfang der 60er Jahre stieg die Zahl der Geburten im Krankenhaus Bernau auf 300 - 400 jährlich, Hebammen führten regelmäßig Hausbesuche und Schwangerenberatung durch. 1960 wurde ebenfalls die moderne Narkoseführung etabliert, ab 1969 dann eine eigenständige Anästhesie-Abteilung eingerichtet. Im Jahr 1970 verfügte das Krankenhaus schon über 193 Betten.

Eine gewaltige Entlastung des gesamten Krankenhausbetriebs in Bernau bedeutete die Verlagerung zweier "interner Stationen" in die ehemalige Tbc-Heilstätte nach Zepernick, die sukzessive ab 1972 erfolgte. Auf diesem idyllisch gelegenen Gelände mit zwei großen Häusern war Kapazität für knapp 100 Betten. Im Jahr 1985 wies das Bernauer Krankenhaus explizit auf: eine chirurgische Abteilung, eine gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung (rekonstruiert 1987), eine Kinderstation, einen OP, eine interdisziplinäre Wachstation, Anästhesieabteilung, Röntgenabteilung, Zentrallabor, Bereiche der Poliklinik, Verwaltung, Küche, Wäscherei, Fahrbereitschaft und Heizung. In Zepernick gab es die zwei internen Stationen, eine Küche, Wäscherei, Heizung und einen Verwaltungsbereich.

Die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten in den letzten Jahren des Bestehens der DDR mussten sich zwangsläufig auch auf das Gesundheitswesen auswirken. Schon im Dezember 1989, einen Monat nach der politischen Wende, wurde wegen des akuten Mangels an Personal und vernünftiger Technik, die seit Jahren fest zugesagt aber nie geliefert worden war, offen über eine eventuelle Notversorgung gesprochen. Die Situation war in Bernau wie in anderen Städten immer die gleiche: hervorragend ausgebildeten und motivierten Ärzten, Schwestern und Pflegern stand eine veraltete Gerätschaft und ungenügende Technik im Weg.

Nach der politischen Wende von 1989/90 sah sich das Kreiskrankenhaus Bernau mannigfaltigen Problemen gegenüber: Patientenbetten wurden aufgrund des Mangels an Arbeitskräften gestrichen, unzureichende Energieversorgung, ein katastrophaler baulicher Zustand des Haupt- und vieler Nebengebäude sowie veraltete medizinische und technische Geräte entsprachen, so die Einschätzung der damaligen Krankenhausleitung, schon lange nicht mehr den Anforderungen eines Kreiskrankenhauses. Fachleute waren sich schnell einig, dass eine Modernisierung des maroden Gebäudes den Ansprüchen einer modernen medizinischen Versorgung nicht genügen würde. Die einzige Alternative zur Aufgabe des Standorts war ein Neubau.

Der damalige Kreis Bernau konnte einen Ersatzneubau nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Nach der Prüfung einiger Finanzierungsmodelle entfiel die Wahl der Kreisverwaltung für einen Neubau auf dem rückwärtigen Gelände des bestehenden Krankenhauses auf das Angebot der Württembergischen Versicherungsgruppe. Der Entwurf des Delmenhorster Architekten Falkenberg, der eine 240-Betten-Klinik mit modernster Ausstattung vorsah, sollte, so die Prognose, im Jahr 1993 komplett umgesetzt sein. Bereits 1991 wurde mit dem Abriss der Nebengebäude begonnen, und im Juni 1992 erfolgte die Grundsteinlegung.

Ab Januar 1995 übergab der Landkreis Barnim (nach der Kreisgebietsreform von 1993 Rechtsnachfolger des alten Landkreises Bernau) die Betriebsführung des Krankenhauses an die Diakonischen Einrichtungen der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg. Die zu dieser Gemeinde gehörende Immanuel-Krankenhaus GmbH und die Krankenhaus und Poliklinik Rüdersdorf GmbH wurden Gesellschafterinnen. Folgerichtig wurde im selben Jahr die Krankenhaus Bernau GmbH gegründet. Nicht zuletzt diesem Trägerwechsel ist es zu verdanken, dass das ehrgeizige Projekt Krankenhausneubau überhaupt noch realisiert werden konnte. Auch für den als mittlerweile als zu groß apostrophierten Ersatzneubau war nach längerem Suchen eine Lösung gefunden worden: das  Herzzentrum Brandenburg in Berlin-Buch sollte ab 1996 in die neuen Räumlichkeiten ziehen.

Nach fünfjähriger Bauzeit und einigen Verzögerungen wurde im September 1997 mit einem Teileinzug in den Neubau begonnen. Als erstes zog die "Innere Medizin" aus Zepernick ein, die, unter schwierigsten baulichen, sanitären und technischen Bedingungen arbeitend, den Ortswechsel geradezu herbeigesehnt hatte. Mit Krankenwagen und Bus absolvierten die Patienten gemeinsam mit dem Krankenhauspersonal die Verlegung von der Außenstelle in das moderne fünfgeschossige Gebäude. Es folgten im gleichen Jahr noch das Labor, die Küche, die Pädiatrie und die Gynäkologie. Doch erst mit dem Einzug des Herzzentrums und aller weiteren Abteilungen und Stationen im Februar 1998 konnte die offizielle Einweihung gefeiert werden. Mit einem Festakt in der Bernauer Stadthalle wurde somit einem der langwierigsten Bauvorhaben Brandenburgs doch noch ein erfolgreiches Ende beschieden.

Auf dem Gelände des Klinikums Buch in Berlin, einstmals eine der größten Kliniken Europas, befand sich seit 1990 als eigene Abteilung ein großes Herzzentrum. Man war mit dieser Integration einem Trend gefolgt, die Herzzentren, die zu Beginn der 80er Jahre in der alten Bundesrepublik sprichwörtlich "auf der grünen Wiese" gebaut worden waren, wieder in bestehende Krankenhausbetriebe einzugliedern. Auf der Grundlage eines Staatsvertrags zwischen den Bundesländern Brandenburg und Berlin wurde es ab Oktober 1992 als Herzzentrum Brandenburg eine Betriebsstätte der Krankenhaus und Poliklinik Rüdersdorf GmbH.

Ein weiterer Verbleib des Herzzentrums in Buch, da waren sich die Experten Mitte der 90er Jahre einig, würde das Land Brandenburg wegen der Beteiligung von 100 Millionen Mark am geplanten Neubau aber vor gewaltige Probleme stellen. So war eine Verlegung in das ohnehin zu groß geratene Krankenhaus Bernau, das dringend nach einer Nutzung für die oberen Geschosse suchte, für den Kreis Barnim eine willkommene Lösung. Auch die Diakonischen Einrichtungen der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg, Träger der erwähnten Krankenhaus und Poliklinik Rüdersdorf GmbH, entschieden sich bewusst für den Standort Bernau.

Für den Einzug eines kompletten Herzzentrums mussten jedoch nicht nur die Verträge umgeschrieben werden, sondern auch Umprojektierungen vorgenommen werden. Ab 1995 wurden aus diesem Grund Änderungen an den Neubauplänen hinsichtlich der Erweiterung an Operationssälen sowie der Intensivstation vorgenommen, um das Herzzentrum von Berlin-Buch in das Krankenhaus Bernau integrieren zu können.

Waren im Jahr 1994 in Berlin-Buch ca. 750 herzchirurgische Eingriffe vorgenommen worden, gingen die Kalkulationen von über eintausend Herzoperationen pro Jahr im neuen Herzzentrum Bernau aus. Die Bettenzahl für das Bernauer Herzzentrum war auf 70 festgelegt worden. Wegen des unzureichenden Versorgungsgrades in Brandenburg im Vergleich zu den anderen Bundesländern war bereits 1995 mit der Arbeit eines Herzzentrums in Cottbus begonnen worden. Da Fachleute mit etwa eintausend Herzoperationen im Jahr auf eine Million Einwohner rechnen, entsprachen nun die geplanten Kapazitäten von Cottbus (ebenfalls zwischen eintausend und zwölfhundert Operationen) und Bernau in etwa dem Bundesdurchschnitt.

Ein Krankenhaus der Grundversorgung und ein Herzzentrum sollten sich nach den Vorstellungen der Betreiber modellhaft organisatorisch ergänzen. In Deutschland galt diese Struktur als einmalig und stellte deshalb entsprechend hohe Anforderungen an Verwaltung, Ärzte und Pflegekräfte. Ab Februar 1998 konnten sich nach erfolgtem Umzug von Berlin-Buch nach Bernau Patienten, Mitarbeiter (und Hunderte von Neugierigen bei einem großen Tag der offenen Tür im März) von den medizinischen und technischen Möglichkeiten überzeugen. Am 28. März 1998 wurde unter der Leitung von PD Dr. Berndt Schubel, dem Chefarzt der Herzchirurgie, die erste Herzoperation im neuen Herzzentrum Brandenburg in Bernau durchgeführt.

Als im März 1998 mit der klangvollen Bezeichnung "Evangelisch-Freikirchliches Krankenhaus und Herzzentrum Brandenburg in Bernau" der Einrichtung und dem Neubau ein Name gegeben wurde, war dies Ende und Anfang zugleich. Es war der Schlussstrich unter eine sechsjährige, von Unterbrechungen und Umprojektierungen gekennzeichnete Bauzeit und der Beginn einer Erneuerung der drei klassischen Säulen christlicher Krankenpflege unter einem Dach: ärztliche, pflegerische und seelsorgerliche Betreuung in der hellen und freundlichen Atmosphäre eines gelungenen Neubaus. Von Anfang an wurden die medizinischen Fachbereiche eines Krankenhauses der Grundversorgung mit den Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie und die Disziplinen eines Herzzentrums mit Herzchirurgie und Kardiologie räumlich und organisatorisch verbunden. Die Abteilung Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie mit einer interdisziplinären Intensivtherapiestation komplettiert unser Leistungsspektrum.

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